Birger Schäfermeier am 21. Juni, 2009
Wann sollten wir auf unsere Intuition vertrauen, wann ist es besser rational und logisch zu einer Handelsentscheidung kommen. Diese Fragestellung habe ich auf einem Vortrag bei der Aschaffenburger Trading Expo 2009 versucht zu beantworten. Für alle die nicht teilnehmen können, hier eine kurze Zusammenfassung in drei Teilen. Heute Teil I
Menschen stehen letztendlich zwei Entscheidungswege zur Verfügung. Der rational, logisch begründbare, oder aber intuitive Entscheidungen. Beide Verfahren haben ihre Stärken und Schwächen, welcher sollten wir beim Traden den Vorzug geben.
Es gibt ein interessantes Experiment, was welches uns zeigt, wie intuitive Entscheidungen funktionieren. Den Teilnehmern der Untersuchung wurden zwei Kartenstapeln präsentiert. Ein roter und ein blauer. Auf jeder Karte stand ein Geldbetrag, den die Teilnehmer erhalten, allerdings konnte der Betrag auch negativ sein, in diesem Fall, musste der Teilnehmer den Betrag zahlen und erlitt einen Verlust. Was die Teilnehmer nicht wussten, der rote Kartenstapel war „vergiftet“. In ihm befanden sich vielmehr und viel größere Verluste, als im blauen Kartenstapel.
Zu Beginn des Spieles zogen die Teilnehmer wahllos von beiden Stapeln Karten. Natürlich nur so lange, bis sie merkten, dass irgend etwas mit dem roten Kartenstapel nicht stimmte. Aber wie lange brauchten die Teilnehmer dafür. Im Durchschnitt merkten die Teilnehmer nach ca.60 Zügen, dass der rote Stapel unvorteilhaft war und ließen die Finger davon. Fragte man sie, warum Sie den blauen Stapel eindeutig bevorzugten, konnten Sie rational erklären, warum der rote Stapel schlecht war. Menschen sind also lernfähig.
Doch das interessante an diesem Experiment war etwas anderes, den währen die Probanden ihre Entscheidungen für den einen oder anderen Stapel in jeder Runde trafen, waren Sie mit einem Biofeedback Gerät verkabelt. Dies Gerät misst den Hautwiderstand, die Pulsfrequenz und einige andere Dinge, die im wesentlichen feststellen sollten, ob während des Entscheidungsprozesses biofeedback reaktionen zu messen waren. Es stellte sich heraus, dass die Teilnehmer bereits nach knapp zwei duzent Zügen Symptome von Stress zeigten, wenn Sie zum roten „vergifteten“ Kartenstapel griffen. Irgend ein Alarmsystem im Körper machte sich also bereits bemerkbar. Zu diesem Zeitpunkt konnte aber niemand rational begründen, warum er sich bei rot unwohl fühlte und deshalb zogen die Probanden munter weiter vom roten Stapel.
Wir sehen also , dass Intuition eine warnsinnig schnelles Warnsystem sein kann, aber wir diese Warnungen nicht in Form einer rationalen Begründung geliefert bekommen. Das macht uns in unserem Kulturkreis Entscheidungen die auf Intuition begründet sind so suspekt. Vielfach wird die Ansicht vertreten, dass wenn es um Finanzen geht, nur rationale Gründe eine Rolle spielen dürfen.
Unsere rationalen Entscheidungen werden von der linken Gehirnhälfte getroffen. Die linkte Gehirnhälfte zeichnet sich dadurch aus, dass Sie Informationen einzeln (linear) nacheinander verarbeitet. Sie denkt bewertet ordnet Informationen, verarbeitet sie dann. Damit Sie diesen Job erledigen kann, darf der Arbeitsspeicher nicht mit Informationen überflutet werden. Deshalb muss ein Bewusstseinsfilter eingeschaltet werden, der nicht alle Informationen rein lässt, sondern nur die wichtigen. Das Problem, was ist wirklich wichtig. Die Informationen, die wir wahrnehmen, werden generalisiert, verzerrt oder einfach schlecht ausgeblendet. So dass unsere rationale linke Gehirnhälfte zwar einen guten Job machen kann, aber Gefahr läuft, wichtige Informationen nicht berücksichtigt zu haben, weil wir vorher nicht wussten oder bewusst entschieden haben, das diese Infos wichtig sein können. Wir müssten also vorher immer wissen, was in einem bestimmten Moment wichtig ist.
Da die Informationen sukzessiv verarbeitet werden, erkennt das Gehirn einen Wald nicht als Wald, sondern den Wald, weil es einzelne Bäume sieht.
Weiteres Kennzeichnen der rationalen Seite ist es, dass diese Seite Risiko avers agiert. Das ist wichtig, weil Rationalität bedeutet, lieber keine Entscheidung treffen, wenn die Beweiskette nicht ganz einwandfrei verläuft.
Anders ist da die rechte Gehirnhälfte, die unsere Kreative Seite wiederspiegelt. Sie liebt Risiko und muss es auch, denn Entscheidungen werden nicht immer logisch getroffen. Sie erfasst die Wirklichkeit in Bildern, dass heißt in Ihrer Gesamtheit. Auf einem Bild sind tausende von Infos, die werden nicht einzeln betrachtet, sondern aufgrund des Bildes wird eine Gefühl produziert.
Während die linkte Seite mit unserem Bewusstsein in Form der Sprache kommuniziert und wir häufig somit gar keine Probleme haben Signale oder Entscheidungen dieser Seite zu verstehen, redet die rechte Seite mit uns in Form von Gefühlen, was häufig in der westlichen Welt zu kommunikationsschwierigkeiten führt. Denn wir haben nicht gelernt, die Sprache der Gefühle zu verstehen, erst recht nicht, ihr zu vertrauen. Ein weiteres Problem ist, wenn zu uns in Gefühlen gespochen wird, dass wir manchmal auf die falsche Botschaft hören. Ähnlich wie wenn zwei Menschen zu uns gleichzeitig reden. Wir haben dann Schwierigkeiten zu verstehen, was jeder uns sagen wird. Wenn hören wir dann zu, meist dem der intensiver und lauter mit uns spricht. Und hier kommen wir zu dem größten Problem mit der Intuition.
Häufig werden intuitive Botschaften überlagert durch andere Gefühle. Meist durch das Gefühl der Angst. Angst ist ein wesentliches Gefühl, dass unsere Bewusstsein und Körper sofort in einen Extrem Alarmzustand versetzt. In diesem Moment ist es schwierig auf andere Signale zu reagieren.
Deshalb wird jeder Trader verlieren, der Angst hat. Letztendlich um es auf den Punkt zu bringen, es in einem Satz zu sagen, ist es so, dass dieses Spiel nur aus einem einzigen Grund verloren wird. Weil der Trader Angst hat. Gier ist dabei, auch eine Form der Angst, nämlich Angst vor Mangel. Wollen wir also auf intuitive Entscheidungen beim Traden vertrauen, dürfen wir nicht ängstlich sein. Wir dürfen keine Angst haben zu verlieren, keine Angst vor der Niederlage. Dass fällt vielen nicht einfach. Wer verliert schon gerne.
Lernen Sie Angstfrei zu traden, dann können Sie auch ihrer Intuition vertrauen. Bei meinen Einstiegen, gehe ich fast ausschließlich intuitiv vor. Weil ich glaube, dass mit rationalen Methoden, die unsere linke Gehirnhälfte versteht, kein Blumentopf am Markt zu gewinnen ist. Der Markt ist nicht rational, er ist chaotisch, immer im Entstehen und ohne Grenzen. In so einer Welt, wird man es mit rationalen Modellen schwer haben. Gäbe es ein rationales Modell, hätten es schlaue Menschen schon entdeckt. Traden funktioniert anderes. Intuitiver Einstieg, aber rationales Money Management, weil wir sonst zu Risiko freudig sind. Das heißt, wo ich reingehe bestimme ich intuitiv, mit wie viel ist vollkommen rational.
Wenn ich dann in einem Trade bin, gehe ich wieder rational vor, weil das ständige Auf und Ab im Markt nun verbunden ist mit Gewinnen und Verluste, die Emotionen hervorrufen, Gier oder Angst. Um das in den Griff zu bekommen, habe ich feste Exitregeln, die keinen Interpretationsspielraum zulassen.
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